Der Effektivzinssatz – was dahintersteckt und warum er auch für dich besonders relevant ist

04.10.2021#Allgemein

Die Welt der Kredite ist nicht immer einfach zu verstehen und zu durchschauen. Dabei ist es ganz besonders wichtig, dass man, bevor man einen Kredit abschließt, einen genauen Überblick über die anfallenden Kosten und vertraglich festgelegten Konditionen des jeweiligen Kredites hat, um zu keinem Zeitpunkt eine böse Überraschung zu erleben. Ein Kredit ist schließlich dazu da, uns in finanziell engen Situationen zu entlasten und nicht für noch mehr finanzielle Sorgen oder letztendlich sogar Schulden zu sorgen. Ein grundlegendes Verständnis für verschiedene Begriffe und Mechanismen rund um das Thema Geld leihen ist also nicht zu unterschätzen.

In diesem Artikel erfährst du deshalb wichtige und nützliche Informationen über den Effektivzins, der bei der Vergabe von Krediten eine ganz zentrale Rolle spielt. Er gibt dir als Kreditnehmer oder Kreditnehmerin eine verlässliche Idee darüber, wie viel dich der jeweilige Kredit letztendlich kosten wird und macht auch das Vergleichen unterschiedlicher Kreditangebote miteinander deutlich einfacher.

Lies also also unbedingt weiter, wenn du wissen möchtest,

  • was der Effektivzinssatz genau ist
  • wie er sich von anderen Zinssätzen, zum Beispiel dem Sollzins, unterscheidet
  • wie sich der Effektivzinssatz zusammensetzt
  • wann er dir eine große Hilfe sein kann.

 

Was ist der Effektivzinssatz?

Der Effektivzinssatz wird auch effektiver Zinssatz genannt. Nimmt man es ganz genau, sollte man jedoch von dem „jährlichen effektiven Jahreszins“ sprechen, denn der Effektivzinssatz bezeichnet die jährlichen Gesamtkosten eines bestimmten Kredites.

Gehen wir jedoch zunächst genauer auf die Basics ein. Wenn wir uns aus welchem Grund auch immer dafür entscheiden, uns von einer Bank Geld zu leihen, erhebt die Bank dafür Zinsen. Schließlich steht der Bank das an dich verliehene Geld für einen gewissen Zeitraum nicht zur Verfügung. Vereinfacht gesagt lassen sich die von der Bank verlangten Zinsen also als eine Art Leihgebühr verstehen, die du zahlst, damit dir die vereinbarte Geldsumme für den vereinbarten Zeitraum zur Verfügung steht. Grundlegend unterscheiden Banken vor allem zwischen zwei verschiedenen Zinssätzen:

  • dem Effektivzinssatz
  • dem Sollzins (auch Nominalzins genannt).

Während wir die Unterschiede zwischen Sollzins und effektivem Jahreszins im nächsten Abschnitt genauer beleuchten, geht es hier zunächst um die Grundlagen des Effektivzinssatzes.

  • Der Effektivzinssatz gibt dir eine realistische Auskunft über die Kosten, die in Verbindung mit dem jeweiligen Kredit auf dich zukommen werden.
    • Im Gegensatz zum Sollzins enthält der effektive Jahreszins nämlich auch anfallende Nebenkosten, sodass der Effektivzinssatz in der Regel etwas höher ist als der Sollzinssatz.
  • Der Unterschied in der Höhe der beiden Zinssätze ist von verschiedenen Faktoren abhängig, wie zum Beispiel der Laufzeit des Kredites und der Bonität des Kreditnehmers oder der Kreditnehmerin.
    • Je kürzer die Laufzeit, desto größer der Unterschied zwischen effektivem Jahreszins und Sollzins, da die anfallenden Nebenkosten auf einen kürzeren Zeitraum verteilt werden müssen.

Der Effektivzinssatz ist also ein wichtiger Faktor bei der Suche nach dem richtigen Kredit. Er macht die Gesamtkosten eines Kredites transparent und gibt nicht nur Auskunft über die anfallende Leihgebühr dafür, dass du dir überhaupt Geld von einer Bank leihen kannst (das übernimmt der Sollzins). Häufig werden Sollzinssatz und Effektivzinssatz auch mit den aus dem Einzelhandel bekannten Begriffen „brutto“ und „netto“ verglichen. Vor diesem Hintergrund lässt sich sagen, dass der Sollzinssatz lediglich die Nettokosten für einen Kredit angibt, die jedoch keine der anfallenden Nebenkosten erhalten. Diese sind im Gegenzug Teil des Effektivzinssatzes, welcher also für die Angabe der mit der Kreditaufnahme verbundenen Bruttokosten zuständig ist. Als Faustregel gilt für die Berechnung des effektiven Zinssatzes:

Effektiver Zinssatz = Sollzins + Nebenkosten

Der effektive Jahreszins deckt, wie der Name bereits verrät, stets einen Zeitraum von 12 Monaten und wird in Prozent angegeben. Hierbei gilt:

Je niedriger der effektive Jahreszins, desto niedriger werden die monatlich anfallenden Raten für die Rückzahlung des Kredites anfallen. Ein niedriger Zinssatz bei dem effektiven Jahreszins ist also von großem Vorteil.

Der effektive Jahreszins soll dir nicht nur dabei helfen, eine realistische Vorstellung davon zu bekommen, wie viel dich der jeweilige Kredit insgesamt kosten wird. Gleichzeitig ist der Effektivzinssatz auch die beste und verlässlichste Variabel, um unterschiedliche Kreditangebote miteinander vergleichen zu können. Und da man sich nur sehr selten für das erstbeste Angebot entscheidet und mithilfe von Vergleichen schnell und unkompliziert die besten Angebote rausfiltern kann, ist der effektive Jahreszins für Kreditnehmer und Kreditnehmerinnen eine absolut hilfreiche Angabe. Tatsächlich sind Banken und andere Kreditgeber dazu verpflichtet, den potenziellen Kreditnehmern und Kreditnehmerinnen die Gesamtkosten eines Kredites mitzuteilen, und dies geschieht meistens in Form des effektiven Jahreszinses.

Effektivzinssatz vs. Sollzinssatz

Obwohl wir im vorigen Abschnitt schon ein wenig auf den Sollzins eingegangen sind, können noch mehr Informationen zu dem Thema alles andere als schaden. Wenn du auf der Suche nach einem guten und passenden Kredit bist, wirst du neben dem effektiven Jahreszins auch besonders schnell auf den Sollzins stoßen. Aber was genau verbirgt sich eigentlich dahinter und was spielt diese Größe für eine Rolle bei der Kreditvergabe? Im Folgenden findest du ausführliche Antworten auf diese Fragen.

Beginnen wir mit den Gemeinsamkeiten. Sowohl der Effektivzinssatz als auch der Sollzinssatz umfassen die Tatsache, dass du, wenn du dir von der Bank oder einem anderen Kreditgeber Geld leihen möchtest, eine Gebühr zahlen musst. Der Sollzins gibt dabei, wie bereits erwähnt, die Nettokosten der Geldleihe an, während der effektive Jahreszins die Bruttokosten umfasst. Aus diesem Grund ist der Sollzinssatz bei den meisten Kreditangeboten auch niedriger als der Effektivzinssatz. Grundsätzlich sind niedrige Zinsen, und damit auch ein niedriger Sollzinssatz, deutlich attraktiver und eine wichtige Variable bei der Kreditsuche, da niedrige Zinsen mit weniger Kosten für den Kreditnehmer oder die Kreditnehmerin verbunden sind. 

Übrigens: Wenn du in anderen Beiträgen auf den Begriff „Nominalzins“ stoßen solltest, kannst du ganz beruhigt sein – hierbei handelt es sich lediglich um eine andere Bezeichnung für den Sollzins.

Der Sollzins bildet die Grundlage, auf die der Effektivzins aufbaut. Dabei ist die Höhe des Sollzinssatzes von verschiedenen Faktoren abhängig, von denen sich manche, aber nicht alle, von dem Kreditnehmer oder der Kreditnehmerin selbst beeinflussen lassen.

Zu den Faktoren, die Einfluss auf den Sollzinssatz haben, zählen unter anderem:

  • Die Bonität des Kunden oder der Kundin
  • Die Laufzeit des Kredites
  • Die aktuellen Leitzinsen und die Wirtschaftslage in Deutschland

Achte darauf, dass bei Kreditangeboten fast immer das bestmögliche Szenario für dich als Kreditnehmer oder als Kreditnehmerin angegeben wird. Schon bei kleinen Änderungen, also zum Beispiel einer geringeren Bonität deinerseits oder einer kürzeren Kreditlaufzeit ändert sich die Höhe des Sollzinssatzes. Leider ist der Sollzins für das Vergleichen von verschiedenen Kreditangeboten miteinander eher nicht geeignet, denn die Tatsache, dass keine mit der Kreditaufnahme verbundenen Nebenkosten in den Sollzins einfließen, gibt keine verlässliche Auskunft über die letzten Endes auf dich zukommenden Gesamtkosten. Trotzdem hat es Vorteile, wenn du dennoch ein genaues Auge auf die Höhe des Sollzinssatzes hast. Aus diesem ergibt sich nämlich der Tilgungsplan des jeweiligen Kredites, also die genaue Auskunft darüber, wann du wie viel Prozent der geliehenen Geldsumme zurückgezahlt haben musst und wann du wieder schuldenfrei bist.

Was verbirgt sich hinter dem „anfänglichen effektiven Jahreszins“?

Nicht immer und überall spricht man nur von dem Effektivzinssatz – über kurz oder lang wirst du auch über den sogenannten anfänglichen effektiven Jahreszins stolpern. Denn auch, wenn der effektive Jahreszins eine relativ verlässliche und konstante Variabel ist, kann sie sich unter Umständen trotzdem ändern. Dies geschieht beispielsweise, wenn du vereinbarte Monatsraten nicht rechtzeitig gezahlt hast. In dem Fall verändert sich notwendigerweise auch die Höhe des Effektivzinssatzes. Das Gleiche gilt, wenn du den Kredit früher zurückzahlst, als mit dem Kreditgeber vereinbart.

Nebenkosten – welche sind im Effektivzinssatz enthalten und welche nicht?

Auch, wenn davon gesprochen wird, dass im effektive Jahreszins alle Nebenkosten enthalten sind und man als potenzieller Kreditnehmer oder potenzielle Kreditnehmerin so eine besonders realistische Vorstellung von den anfallenden Gesamtkosten des Kredites erhält, ist diese Aussage nur teilweise richtig. Der effektive Jahreszins umfasst durchaus weitaus mehr Nebenkosten als der Sollzins – dennoch kann es sein, dass man bei einigen Kreditangeboten auf versteckte Nebenkosten stößt, die nicht im Effektivzinssatz enthalten sind.

Diese Nebenkosten sind im Effektivzinssatz enthalten:

  • Bearbeitungsgebühr
    • Achtung: seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs im Mai 2014 dürfen Banken für die Bearbeitung einer Kreditanfrage oder eines Kredites keine Gebühr verlangen. Diese Regelung gilt jedoch nicht für andere Kreditanbieter.
  • Bonitätsauskunft
    • Um mehr über die Zahlungsfähigkeit eines Kreditnehmers oder einer Kreditnehmerin zu erfahren, wird der Kreditgeber eine Bonitätsanfrage bei gängigen Auskunfteien, in den meisten Fällen der SCHUFA, stellen.
  • Restschuldversicherung
    • Die Bank oder ein anderer Kreditgeber kann verlangen, dass du für den Kredit eine Restschuldenversicherung abschließt. In dem Fall sind die dafür anfallenden Kosten Teil des Effektivzinssatzes.
  • Bei Immobilien: Schätzgebühr
    • Um den Wert einer Immobilie so exakt und realistisch wie möglich einschätzen zu können und die Kreditkonditionen daran anzupassen, wird häufig mit Immobilienexperten- und expertinnen zusammengearbeitet.

Diese Nebenkosten sind nicht im Effektivzinssatz enthalten:

  • Kontoführungsgebühren
  • Teilauszahlungszuschläge
    • Wenn die Auszahlung des Kredites in Teilen vereinbart ist, kann der Kreditgeber Teilauszahlungszuschläge verlangen

Die Vorteile des effektiven Jahreszinses – kurz zusammengefasst

  • Die Gesamtkosten eines Kredites sind schneller ersichtlich
  • Du kannst verschiedene Angebote miteinander vergleichen
  • Das Erstellen eines Budgetplans mit deinen individuellen Sparzielen ist deutlich einfacher, da du die Gesamtkosten des Kredites kennst

 

Fragen und Antworten zum Effektivzinssatz

Woher weiß ich, was ich insgesamt für ein Darlehen oder einen Kredit bezahle?

Die beste Antwort auf diese Frage liefert dir der effektive Jahreszins, da er neben dem Sollzins auch fast alle anfallenden Nebenkosten enthält. Der effektive Jahreszins wird stets in Prozent angegeben. Auf der Suche nach den geringsten Kosten solltest du nach einem niedrigen Effektivzinssatz Ausschau halten.

Wann ist der Effektivzinssatz relevant?

Der effektive Jahreszins hat vor allem zwei relevante Vorteile. Zum einen erhältst du eine realistische Vorstellung davon, wie hoch die Kosten für dich in Verbindung mit der Kreditaufnahme insgesamt sein werden. Darüber hinaus ermöglicht der effektive Jahreszins ein unkompliziertes Vergleichen verschiedener Angebote miteinander.

Wie berechnet sich der effektive Jahreszins?

Der Effektivzinssatz setzt sich aus dem Sollzins und weiteren für den Kredit anfallenden Nebenkosten, wie zum Beispiel einer abgeschlossenen Restschuldversicherung, zusammen. In den allermeisten Fällen ist der effektive Zinssatz höher als der Sollzins (Nominalzins).

Was ist im effektiven Jahreszins enthalten?

Der effektive Jahreszins enthält beinahe alle anfallenden Kosten, die in Verbindung mit einem bestimmten Kredit auf dich zukommen werden. Er wird stets in Abhängigkeit zum Nettobetrag des jeweiligen Kredites angegeben, und zwar in Prozent und bezogen auf eine Laufzeit von 12 Monaten.

Ist das Kreditinstitut dazu verpflichtet, den Effektivzinssatz anzugeben?

Ja. Seit der Preisangaben-Verordnung von 1985 müssen Institute, die Kredite vergeben, dem Kunden oder der Kundin Auskunft über mit der Kreditvergabe anfallende Kosten geben und einen anfänglichen effektiven Jahreszins errechnen.

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